Pikenbajonett M/1854 zur Dreyse-Zündnadel-Pikenbüchse M/1854


 

Pikenbajonett in Gesamtansicht
Gesamtansicht des Pikenbajonetts M54. Das Pikenbajonett M54 hat eine Gesamtlänge von 750mm.
Pikenbajonett mit Ansicht des hinteren Teiles
Endstück des PikenbajonettsM54 mit Verzahnung zur Verwendung als Putzstock.
Mittelteil des Pikenbajonetts
Mittelstück des Pikenbajonetts M54 mit Raste für ausgezogenen Zustand.
Vorderteil des Pikenbajonetts
Spitze des Pikenbajonetts M54 mit Raste für eingeschobenen Zustand.
Pikenbuechse mit ausgezogenem Pikenbajonett
Das Pikenbajonett M54 ist Bestandteil der Zündnadel-Pikenbüchse M54.
Es dient gleichzeitig als Putz-bzw. Entladestock und Stichbajonett.
Teilansicht von rechts
Frontpartie einer Zündnadel-Pikenbüchse M54 mit voll ausgezogenem Pikenbajonett.(Seitenansicht)
Teilansicht von unten
Frontpartie einer Zündnadel-Pikenbüchse M54 mit voll ausgezogenem Pikenbajonett.(Ansicht von unten)
Pikenbajonett
Frontpartie einer Zündnadel-Pikenbüchse M54 mit vollständig eingeschobenem Pikenbajonett M54
Vorderteil der Büchse mit Ansicht von unten
Frontpartie einer Zündnadel-Pikenbüchse M54 mit ausgezogenem Pikenbajonett M54(Detailansicht)

 

Das Pikenbajonett zur Dreyse Zündnadelbüchse M/1854 (Pikenbüchse)

Das Pikenbajonett M/1854 ist ein hochinteressantes, wenngleich militärtaktisch glückloses
Kapitel der preußischen Rüstungsgeschichte. Als fester Bestandteil der Dreyse-Zündnadelbüchse M/1854
im militärischen Sprachgebrauch der Zeit fast ausschließlich als "Pikenbüchse" bezeichnet
– stellt es einen radikalen Sonderweg in der Evolution der europäischen Blankwaffen dar.
Entwickelt von Johann Nikolaus von Dreyse, vereinte diese Konstruktion die Funktion des
Ladestocks und der Nahkampfwaffe in einem einzigen, integrierten Bauteil.

Technische Konstruktion und Funktionsweise

Im Gegensatz zu klassischen Dillen- oder Messerbajonetten, die bei Bedarf auf die
Laufmündung aufgepflanzt wurden, war das Pikenbajonett M/1854 fest an der Waffe montiert.


Die Doppelfunktion: Die Pike war in einer Führungsnut unterhalb des Laufs im
hölzernen Vorderschaft gelagert. Da die Zündnadelbüchse ein moderner Hinterlader war,
wurde kein traditioneller Ladestock mehr benötigt, um Pulver und Kugel von vorn
einzurammen. Dreyse nutzte diesen freigewordenen Raum unter dem Lauf.


Der Ausziehmechanismus: Im marschbereiten Zustand lag die Pike unscheinbar unter
dem Lauf. Im Nahkampf oder zur Abwehr von Kavallerieangriffen konnte der Soldat den
dreikantigen Stahlstab nach vorne ausziehen und fest arretieren. Die Waffe verwandelte
sich damit im Handumdrehen in eine Kurzpike.

Einsatzzweck und Truppengattung

Die Pikenbüchse M/1854 wurde primär für die preußischen Jägerbataillone
(sowie später vereinzelt bei der preußischen Marine) eingeführt.
Die Jägertruppe operierte oft als aufgelöste Plänkler im unwegsamen Gelände.
Da sie im Gegensatz zur Linieninfanterie keine dichten Bajonettmauern bildeten,
sollte die ausziehbare Pike ihnen im plötzlichen Handgemenge einen schnellen Schutz bieten,
ohne dass sie ein schweres, separates Seitengewehr mitführen mussten.


Das Scheitern in der Praxis

Obwohl die Idee auf dem Reißbrett elegant wirkte, erwies sich das Pikenbajonett M/1854 im
Truppenalltag schnell als unpraktisch und ungeliebt:

1. Mangelnde Flexibilität: Ein normales Bajonett konnte abgenommen und im Lager
als Universalwerkzeug oder Faschinenmesser genutzt werden. Die feste Pike der M/1854
war außerhalb des Gewehrs völlig nutzlos.

2. Mechanische Anfälligkeit: Die Führungsnut im Holzschaft verschmutzte im Feld
extrem leicht. Setzte sich dort Schlamm oder Pulverrückstände fest, blockierte der Ausziehmechanismus.
Zudem verbogen sich die dünnen Stäbe im rauen Gefechtseinsatz leicht.

3. Schlechte Balance: Das zusätzliche Gewicht im vorderen Schaftbereich
beeinträchtigte die Balance der Büchse beim präzisen Schießen.


Das Schicksal der Piken: Umbau zu Pioniergewehren

Wegen der anhaltenden Kritik wurde die Produktion rasch eingestellt. Als ab 1865 die
modernere Zündnadelbüchse M/65 bei den Jägern eingeführt wurde, wurden die alten
Pikenbüchsen überflüssig.
Auf Allerhöchste Kabinettsorder (AKO) wurden die M/1854-Modelle massenhaft modifiziert.
Bei diesem Umbau wurde die Pike vollständig entfernt, die verbleibende Nut im Holzschaft
fachmännisch ausgefüttert (verfüllt) und der Lauf gekürzt. Stattdessen erhielten die Waffen eine
Halterung für ein schweres Pionierfaschinenmesser. Aus den ausgemusterten Pikenbüchsen
entstand so das bekannte Zündnadel-Pioniergewehr U/M (Umänderungsmodell).
Aufgrund dieser großflächigen Umbauten sind originale, unberührte Dreyse-Pikenbüchsen
mit intaktem Pikenbajonett M/1854 heute extrem seltene und wertvolle Sammlerstücke in der Militaria-Welt.


 

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