





[1] Das Unternehmen war ein bekannter und bedeutender Klingenproduzent in der Hochphase der preußischen und internationalen Blankwaffenfertigung.
Hier sind die wichtigsten Details zum Hersteller im Kontext Ihres Hirschfängers:
Dass Ihr Hirschfänger von 1865 diesen Stempel trägt, passt perfekt zur zeitlichen Einordnung, da die preußischen Jägerbataillone mitten in der aktiven Phase dieser Solinger Manufaktur mit dem Modell M/1865 ausgerüstet wurden.
[2] Der Truppenstempel 3.J.4.96 auf einem preußischen Hirschfänger M/1865 steht für die 4. Kompanie des Brandenburgischen Jäger-Bataillons Nr. 3, Waffennummer 96.
Nach den offiziellen preußischen Stempelvorschriften schlüsselt sich die Gravur wie folgt auf:
Hintergrund zum Hirschfänger M/1865
Dieses Modell wurde ursprünglich für die Zündnadeljägerbüchse M/1865 gefertigt. Da Jäger-Bataillone eigenständige Verbände und nicht wie die reguläre Infanterie in Regimentern organisiert waren, steht die erste Ziffer hier direkt für die Nummer des selbstständigen Bataillons.
[3] Der Stempel „FW67“ unter einer Krone auf einem preußischen Hirschfänger ist ein offizieller militärischer Abnahmestempel (auch fiskalischer Stempel genannt). Er belegt, dass die Waffe als sogenanntes „Kammerstück“ offiziell geprüft und in den Dienst der preußischen Armee übernommen wurde.
Die einzelnen Elemente des Stempels bedeuten im Detail:
Aufschlüsselung der Markierung
Warum „FW“ im Jahr 1867?
Geschichtsinteressierte stolpern hier oft über einen scheinbaren Widerspruch: Im Jahr 1867 regierte bereits König Wilhelm I. (seit 1861 auf dem Thron). Eigentlich müsste der Stempel daher ein „W“ zeigen.
Dass auf Ihrer Waffe dennoch „FW67“ steht, hat einen einfachen, historischen Grund: Verwendung älterer Klingenrohlinge.
Preußische Klingen wurden oft auf Vorrat geschmiedet. Wenn ein Klingenrohling bereits unter Friedrich Wilhelm IV. vorproduziert, angeschlagen und eingelagert wurde, erhielt er das „FW“. Wurde die fertige Waffe dann erst Jahre später – im Jahr 1867 unter Wilhelm I. – endgültig montiert, vom Revisor geprüft und an die Truppe ausgegeben, schlug man die aktuelle Jahreszahl „67“ direkt neben oder unter das bereits vorhandene Monogramm. Solche „Übergangsstücke“ sind bei preußischen Blankwaffen gut dokumentiert und Sammlern bestens bekannt.
Wo befindet sich der Stempel?
Bei preußischen Hirschfängern (wie dem weit verbreiteten Modell M/1865 für Jäger und Schützen) schlug man diesen fiskalischen Stempel typischerweise auf den Klingenrücken nahe dem Griff (Gefäß) oder direkt auf die Fehlschärfe (die flache Seite der Klinge knapp über der Parierstange). Oft finden sich zusätzliche, kleinere Kontrollstempel (Revisorenstempel in Form einzelner gotischer Buchstaben unter einer Krone) auf denTeilen des Griffs oder den Scheidenbeschlägen.
Rüdiger W.A. Franz |
Preußisch-deutsche Seitengewehre 1807 - 1945 Band I |
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Rüdiger W.A. Franz |
Preußisch-deutsche Seitengewehre 1807 - 1945 Band II |
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Klaus Lübbe |
Deutsche Seitengewehre und Bajonette 1740 - 1945 2 |
ISBN 3-93401-02-5 |
Paul Kiesling |
Bayonets of the World The Complete Edition |
ISBN 978-90-70987-05-3 |